In „Unpaved Chronicles“ tauchen wir ein in die Welt des Gravel-Racings. Diese rasant wachsende Disziplin vereint das Abenteuer Offroad-Fahren mit der Intensität eines Rennsports. Es geht nicht um glatten Asphalt und ein Peloton, sondern um Schotterpisten, steile Anstiege und unberechenbares Terrain. Die Mischung aus Ausdauer, Technik und Taktik macht Gravel zu einer einzigartigen Sportart, die immer mehr Fahrer begeistert. In jedem Rennen gibt jeder sein Bestes für ein gutes Ergebnis, und bei UCI-Rennen geht es sogar noch mehr um den Kampf um einen Startplatz bei der Gravel-Weltmeisterschaft.
Wir begleiten die Fahrer von Airom.cc bei Gravel-Rennen im In- und Ausland hautnah. Von der Vorbereitung bis zum Ziel, vom Staub auf der Rennstrecke bis zur Medaille – das ist Gravel aus ihrer Perspektive.
Nach einer kurzen Sommerpause ging es mit dem Gravel-Kalender wieder los, diesmal an Schwedens Westküste. In Halmstad, inmitten offener Felder, dunkler Wälder und kurvenreicher Schotterpisten, stand das dreitägige Gravel Grit 'n Grind -Event auf dem Programm. Die Kulisse: eine Landschaft ohne wirklich hohe Berge, dafür mit endlosen Hügeln und schnellen Schotterabschnitten, die die Fahrer gnadenlos auf die Probe stellten. Drei Tage lang drehte sich alles um Kraft, Ausdauer und Rennverständnis.
Sera Gademan, Fahrerin des von Airoman.cc unterstützten Teams Bike Emotions und bereits im ersten Teil der Unpaved Chronicles vorgestellt, war am Start. „Schweden ist für mich wie ein zweites Zuhause; ich finde es ein wunderschönes Land. Dass wir dort drei Tage lang Rennen fahren konnten, war fantastisch.“ Für Sera markierte das Rennen auch den Abschluss eines intensiven Trainingsblocks im Vorfeld der Cyclocross-Saison. „Mein Fokus liegt auf der kommenden Cyclocross-Saison, daher waren qualitativ hochwertige Trainingseinheiten entscheidend. Deshalb bin ich mit geringeren Erwartungen nach Schweden gefahren. Diese drei Renntage waren in diesem Sinne Teil des Trainingsblocks.“ Wie sich das im Rennen auswirken würde, blieb abzuwarten.
Freitag – Wettlauf gegen die Uhr
Das dreitägige Event begann mit einem Prolog-Zeitfahren. Kein Massenstart, jeder fuhr für sich. Sera: „Ich habe es als eine Art verkürzte Cyclocross-Version gesehen, weil es so kurvenreich war.“ Sechzehn Kilometer, 130 Höhenmeter und ein abschließender Anstieg über Schotter: kurz, aber gnadenlos. Der lose Untergrund machte es besonders anspruchsvoll. „Es ging wirklich darum, so viel Grip wie möglich zu finden; da konnte man den Unterschied ausmachen.“ Mit einem klaren Rennplan und den Aero-Überschuhen von Airoman.cc an den Füßen gab sie alles. Nach einer halben Stunde Vollgas kam sie knapp als Zweite ins Ziel. „Es war natürlich schade, aber nicht so schlimm. Es hat sofort für Wettkampfgeist gesorgt, denn die folgenden Tage zählten auch für die Gesamtwertung.“
Samstag – die Königsbühne
Der Samstag brachte den härtesten Tag: 146 Kilometer mit fast 2.000 Höhenmetern. Eine Etappe, die nicht nur anspruchsvoll war, sondern auch in den UCI-Gravel-Kalender einfloss. Von den weitläufigen Farmen in Wapnö aus ging es für die Fahrer ins wahre Hinterland: Steile Anstiege, schmale Waldwege und technisch anspruchsvolle Abfahrten machten die Strecke zu einem echten Schlachtfeld. „Es war eine richtig coole Strecke“, sagte Sera, die dank ihrer Erfahrung aus dem Vorjahr bereits eine gute Vorstellung davon hatte, was sie erwarten würde.
Die Fahrerinnen der Altersklassen starteten zusammen mit den Elitefahrerinnen und bildeten so lange ein kompaktes Peloton. Um Kilometer 70 öffnete sich das Rennen dann richtig. Sera befand sich zunächst in der zweiten Gruppe, fand sich aber um Kilometer 100 allein wieder. „Weil es einige Nachmeldungen gab, wusste ich nicht genau, wer mitfuhr und wo ich lag.“ Das änderte sich erst, als eine andere Fahrerin der Altersklasse zu ihr stieß und ihr Vater an der letzten Verpflegungsstation rief, dass sie die Ersten und Zweiten seien. „Dann fahr um den Sieg!“ Was folgte, war ein Zweikampf zwischen den Frauen. Ausreißversuche scheiterten immer wieder, bis sieben Kilometer vor dem Ziel. „Ich wusste, dass noch ein harter Anstieg und anschließend eine Abfahrt auf losem Schotter bevorstanden. Dort wollte ich in Führung liegen.“ Sie schaffte es und konnte sich einen kleinen Vorsprung herausfahren. „Dann bin ich bis ins Ziel wirklich Vollgas gefahren.“ Nach ihrem zweiten Platz am Freitag durfte Sera nun ganz oben auf dem Treppchen stehen. „Es war wirklich fantastisch. Sowohl der Sieg als auch die Tatsache, dass ich in der Gesamtwertung einige Sekunden gutgemacht habe.“
Sonntag: Kampf bis zum letzten Meter
Der letzte Tag brachte 100 Kilometer und 1200 Höhenmeter. Deutlich kürzer als am Samstag, aber nach zwei anstrengenden Tagen war es alles andere als einfach. Zudem unterlief Sera früh im Rennen ein Fehler, der sie teuer zu stehen kam. „Ich habe eine volle statt einer leeren Wasserflasche weggeworfen, weshalb ich meinen Ernährungsplan anpassen musste.“ Nach der Hälfte des Rennens gaben die Elitefahrerinnen richtig Gas. Eine fünfköpfige Spitzengruppe bildete sich, der sich Sera anschließen konnte, fiel aber bald wieder zurück. In der Verfolgergruppe traf sie auf ihre direkte Konkurrentin um den Gesamtsieg. „Ich war zunächst ziemlich überrascht, denn der Abstand zwischen der Spitzengruppe und den Verfolgerinnen war ziemlich groß.“ Es blieb keine Zeit zum Verschnaufen, denn es ging um die Gesamtwertung. Zehn Kilometer vor dem Ziel entbrannte dieser Kampf an einem Anstieg mit teilweise asphaltierter Straße. Dort musste Sera aufgeben. „Ich hatte wirklich nichts mehr. Dadurch, dass ich alles weggeworfen habe, habe ich einfach die Nährstoffe vermisst, die ich mit Gels allein nicht hätte kompensieren können.“ Trotzdem kämpfte sie weiter, denn sie wusste, dass es um die Gesamtwertung ging. „Ich wusste, ich hatte zwanzig Sekunden zu verlieren, also bin ich bis zum Anschlag gefahren.“
Ihr Cyclocross-Hintergrund erwies sich als Vorteil: Das Finale war technisch anspruchsvoll, mit Singletrails und einer herausfordernden Abfahrt. „Ich bin wirklich mit halsbrecherischem Tempo losgefahren. Am Morgen beim Warmfahren hatte ich herausgefunden, welche Linien mir am besten liegen. Das gab mir Selbstvertrauen. Am Ende konnte ich den Rückstand in der Abfahrt aufholen und kam nur sieben Sekunden hinter dem Sieger ins Ziel.“ Das reichte ihr für den zweiten Platz in der Tageswertung, aber noch wichtiger: für den Gesamtsieg.
Ein unvergessliches Wochenende
Alles in allem ein überaus erfolgreiches Wochenende für die Fahrerin aus Gelderland. „Meine Liebe zu Schweden ist dadurch nur noch gewachsen.“ Nicht zuletzt, weil sie für ihren Sieg beim UCI-Rennen am Samstag ein besonderes Trikot erhielt. „Es ist mein allererstes Radtrikot, deshalb habe ich es gleich zu Hause eingerahmt. Es ist so etwas wie ein Sammlerstück für mich, haha.“ Sera blickt auf ein erfolgreiches dreitägiges Gravel-Rennen zurück. „Aber“, betont sie, „es geht vor allem um die Vorbereitung auf Cyclocross. Es ist fantastisch, so einen Sieg zu erringen, aber letztendlich dreht sich alles um Cyclocross!“
Und sie muss nicht mehr lange warten, denn das erste Rennen steht schon bald an. Möchtest du Sera (und andere Fahrer von Airoman.cc) weiterverfolgen? Folge uns auf Instagram @airomancyclingclub oder lies bald mehr auf Airoman.cc !